Beim wichtigsten Auftritt des St. Petersburger Wirtschaftsforums müssen Gäste zuerst durch eine medizinische Sicherheitskontrolle. Ronald Tramp untersucht die weltweit strengste Anti-Schnupfen-Zone.
Ronald Tramp berichtet exklusiv vom größten Wattestäbchen-Gipfel des Planeten
Freunde, Patrioten, Hobby-Virologen und Menschen mit funktionierenden Atemwegen!
Ich dachte wirklich, ich hätte alles gesehen.
Ich habe Politiker erlebt, die sich vor Journalisten verstecken.
Ich habe Politiker erlebt, die sich vor Fakten verstecken.
Und ich habe sogar Politiker erlebt, die sich vor ihren eigenen Wahlversprechen verstecken.
Aber jetzt präsentiert uns Wladimir Putin etwas völlig Neues:
Er versteckt sich vor Schnupfen.
Und zwar professionell.
Mit System.
Mit Spezialausweis.
Mit PCR-Test.
Mit Grippe-Test.
Mit Atemwegs-Test.
Mit vermutlich drei Schichten Sicherheitsglas und einer Reservepackung Desinfektionsmittel in jeder Hosentasche.
Willkommen beim St. Petersburger Wirtschaftsforum – oder wie ich es inzwischen nenne:
„Die internationale Konferenz für kontrolliertes Atmen.“
Erst der Abstrich, dann die Audienz
Das wichtigste Ereignis des Forums ist die große Plenarsitzung am 5. Juni.
Dort spricht Putin.
Und weil Putin spricht, gelten Regeln.
Viele Regeln.
Sehr viele Regeln.
Regeln, die vermutlich länger sind als manche russische Verfassungsversion.
Wer teilnehmen möchte, muss zunächst einen PCR-Test absolvieren.
Aber nicht irgendwo.
Nein.
Das wäre viel zu einfach.
Man darf sich ausschließlich in speziell zugelassenen Testzentren testen lassen.
Andere Labore?
Vergesst es.
Universitätskliniken?
Nein.
Krankenhäuser?
Nein.
Der Hausarzt des Vertrauens?
Doppelt nein.
Offenbar zählt nur ein Test, wenn er von einem offiziell zertifizierten Forum-Wattestäbchen durchgeführt wurde.
Das geheime Ministerium für kontrolliertes Niesen
Meine Recherchen führten mich tief in die Welt der russischen Sicherheitsvorkehrungen.
Dort stieß ich auf Hinweise auf eine bisher unbekannte Behörde:
Das Ministerium für Strategische Atemwegssicherheit.
Angeblich beschäftigt die Behörde hunderte Experten.
Ihre Aufgabe:
Gefährliche Huster frühzeitig erkennen.
Verdächtige Nieser lokalisieren.
Und Menschen mit kratzigem Hals bereits aus 500 Metern Entfernung identifizieren.
Ein ehemaliger Mitarbeiter behauptete sogar, dass speziell trainierte Agenten jedes verdächtige Räuspern in Echtzeit analysieren.
Ob das stimmt?
Wahrscheinlich nicht.
Aber nach diesen Regeln klingt es zumindest plausibel.
Die Rückkehr des legendären Mega-Tisches
Natürlich erinnern sich viele noch an den berühmtesten Tisch der Welt.
Jenen historischen Tisch, der Anfang 2022 internationale Berühmtheit erlangte.
Damals saßen Olaf Scholz und Putin so weit voneinander entfernt, dass zwischen ihnen problemlos eine mittelgroße Fußballmeisterschaft hätte stattfinden können.
Experten schätzten die Distanz auf mehrere Meter.
Andere Experten vermuteten mehrere Kilometer.
Satellitenbilder konnten die genaue Länge nie eindeutig bestätigen.
Manche behaupten bis heute, der Tisch sei eigentlich eine Landebahn gewesen.
Offiziell diente alles dem Gesundheitsschutz.
Inoffiziell fragte sich die Welt, ob Putin befürchtete, Scholz könnte ihm versehentlich einen Schnupfen über die Kontinentalplatte schicken.
Der ultimative VIP-Pass
Besonders beeindruckt hat mich das Zugangssystem.
Nur wer einen negativen Test vorweisen kann, erhält den magischen Spezialausweis.
Dieser Pass öffnet die Tür zur großen Putin-Rede.
Ohne Pass?
Keine Chance.
Kein Zutritt.
Nicht einmal ein Blick durch das Schlüsselloch.
Es erinnert ein wenig an Fantasy-Filme.
Nur dass man statt eines Zauberschwerts einen negativen PCR-Test benötigt.
„Du sollst nicht passieren!“
„Aber ich bin Wirtschaftsminister!“
„Negativer Grippetest?“
„Nein.“
„Dann auf Wiedersehen.“
Die Angst vor dem Supervirus
Natürlich stellt sich die entscheidende Frage:
Wovor hat Putin eigentlich Angst?
Corona?
Grippe?
Erkältung?
Oder dem gefährlichsten Virus der modernen Politik?
Dem Meinungsvirus.
Denn dieses Virus verbreitet sich besonders schnell.
Ein Mensch äußert eine Meinung.
Der nächste denkt darüber nach.
Plötzlich diskutieren alle.
Katastrophe.
Absolute Katastrophe.
Zum Glück hilft dagegen kein PCR-Test.
Sonst wären vermutlich bereits mobile Kontrollstationen auf jedem Marktplatz aufgebaut worden.
Das Wirtschaftsforum oder die größte Arztpraxis Europas?
Beobachter berichten inzwischen von Szenen, die eher an eine medizinische Fachmesse erinnern als an ein Wirtschaftsforum.
Überall Tests.
Kontrollen.
Freischaltungen.
Formulare.
Bescheinigungen.
Zertifikate.
Bestätigungen über Bescheinigungen.
Und wahrscheinlich Bescheinigungen darüber, dass die Bescheinigungen korrekt bestätigt wurden.
Ein Teilnehmer soll gefragt haben:
„Wann beginnt eigentlich die Wirtschaftskonferenz?“
Die Antwort lautete:
„Sobald wir sicher sind, dass niemand hustet.“
Ronald Tramps Fazit
Am Ende muss man sagen:
Konsequenz kann man Putin nicht absprechen.
Andere Staatschefs fürchten politische Gegner.
Putin fürchtet offenbar Menschen mit laufender Nase.
Während anderswo Sicherheitskräfte nach Waffen suchen, sucht man hier nach erhöhten Entzündungswerten.
Während andere Gipfeltreffen über Wirtschaft, Handel und internationale Beziehungen sprechen, beginnt dieses offenbar mit der entscheidenden Frage:
„Haben Sie heute schon geniest?“
Und so bleibt das St. Petersburger Wirtschaftsforum 2025 vor allem eines:
Die wahrscheinlich einzige internationale Konferenz der Welt, bei der man leichter Präsident werden kann als einen gültigen Zugangsausweis zu erhalten.
Ich bin Ronald Tramp.
Und falls ich jemals persönlich zu Putins Rede eingeladen werde, komme ich vorbereitet.
Mit PCR-Test.
Mit Grippetest.
Mit Fieberthermometer.
Mit Desinfektionsmittel.
Und vorsichtshalber mit einem zwei Kilometer langen Tisch.

