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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Vier Tage offline: Britanniens geheimstes Kraftwerk

Grafik: Britisches Kraftwerk gehackt – offiziell fast nichts

Ein britisches Kraftwerk fällt nach einem Cyberangriff vier Tage aus – und liegt trotzdem unter der Meldeschwelle. Ronald Tramp untersucht die erstaunlich entspannte Cyberbürokratie.

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Britanniens unsichtbares Kraftwerk: Vier Tage offline, aber offiziell fast nichts passiert

Von Ronald Tramp

Meine lieben Cyberkrieger, Sicherungskastenstrategen und Freunde der britischen Informationspolitik!

Großbritannien hat am Wochenende etwas bestätigt, das vorher bereits in der Zeitung stand. Ein Kraftwerk wurde im Juli durch einen Cyberangriff offenbar so schwer getroffen, dass es vier Tage vom Netz musste.

Vier Tage!

Das ist im Internetzeitalter ungefähr die geologische Epoche zwischen „Router neu starten“ und „Vielleicht sollten wir doch den Administrator anrufen“.

Aber keine Sorge: Die Anlage war klein.

Sehr klein.

Offenbar so klein, dass ihr Ausfall sogar unterhalb der offiziellen Meldeschwelle lag.

Fantastisch!

Ein Kraftwerk fällt durch einen Cyberangriff vier Tage aus, und irgendwo sitzt ein britischer Beamter mit Taschenrechner und sagt:

„Technisch gesehen müssen wir hierfür Formular 17-B nicht öffnen.“

Das ist Cyberabwehr auf höchstem Verwaltungsniveau.

Das geheime Kraftwerk, das niemand kennt

Wo steht das Kraftwerk?

Geheim.

Wer hat es angegriffen?

Unklar.

Warum wurde es angegriffen?

Keine offizielle Angabe.

Welche Technik wurde kompromittiert?

Keine Details.

Was wissen wir also?

Ein Kraftwerk war kaputt.

Großartige Pressekonferenz!

Die britischen Behörden behandeln den Vorfall offenbar wie eine Überraschungsparty für Geheimdienste:

„Wir können bestätigen, dass etwas passiert ist. Wo, wie, warum und durch wen sagen wir nicht. Vielen Dank für Ihr Interesse.“

Das National Cyber Security Centre, also der britische Cyberabwehrarm im Umfeld des GCHQ, soll Betreiber kritischer Infrastruktur immerhin vor einer erhöhten Bedrohungslage gewarnt haben.

Vorher.

Und nachher.

Das ist wichtig.

Vorher heißt: „Passt auf, da könnte etwas passieren.“

Nachher heißt: „Seht ihr? Genau das meinten wir.“

Sehr überzeugend.

Der Iran steht im Raum – offiziell aber nur im Flur

Der Telegraph macht iranische Akteure verantwortlich. Die Regierung selbst legt sich dagegen öffentlich nicht fest.

Das ist diplomatisch verständlich.

Denn zwischen „Wir untersuchen einen Cybervorfall“ und „Ein fremder Staat greift unsere Infrastruktur an“ liegen ungefähr zwölf Geheimdienstberichte, sieben Krisensitzungen und mindestens eine Person, die sagt:

„Können wir das vielleicht etwas vorsichtiger formulieren?“

Parallel werden Verbindungen zu Angriffen auf amerikanische Wasserversorgungssysteme diskutiert. Dort taucht der Name CyberAv3ngers auf – bereits der Name klingt wie eine Hackergruppe, die nach drei Energy-Drinks festgestellt hat, dass normale Buchstaben nicht mehr gefährlich genug aussehen.

Die Gruppe soll sich auf speicherprogrammierbare Steuerungen spezialisiert haben.

Also jene kleinen industriellen Computer, die Maschinen, Pumpen und Anlagen kontrollieren.

Sehr beruhigend.

Denn früher musste ein Saboteur noch über einen Zaun klettern.

Heute sitzt möglicherweise irgendwo jemand im Hoodie vor drei Monitoren und denkt:

„Was passiert eigentlich, wenn ich hier auf Disable klicke?“

Fortschritt!

Willkommen bei den Five Eyes

Natürlich spielt dabei auch Großbritanniens enge Zusammenarbeit mit den USA eine Rolle.

USA, Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland bilden die berühmten Five Eyes.

Fünf Augen!

Das klingt beeindruckend.

Allerdings stellt sich nach solchen Angriffen automatisch die Frage:

Wenn fünf Augen gemeinsam hinschauen – warum merkt dann manchmal trotzdem erst eine Zeitung, dass ein Kraftwerk vier Tage ausgefallen ist?

Vielleicht braucht man Six Eyes.

Oder einfach jemanden mit Lesebrille.

Die Geheimdienste werden jedenfalls intensiv untersuchen, was passiert ist. Und das ist auch richtig, denn kritische Infrastruktur gehört inzwischen zu den attraktivsten Zielen moderner Cyberangriffe.

Strom.

Wasser.

Verkehr.

Kommunikation.

Früher musste man ein Land bombardieren.

Heute reicht möglicherweise ein schlecht geschütztes Steuergerät mit einem Passwort wie admin123.

Effizient!

Ronalds neue Sicherheitsstrategie

Ich habe deshalb einen sensationellen Vorschlag.

Jede kritische Infrastruktur bekommt künftig drei Dinge:

Erstens: vernünftige Netzwerksegmentierung.

Zweitens: aktuelle Sicherheitsupdates.

Drittens: einen riesigen roten Aufkleber:

NICHT INS INTERNET STECKEN, NUR WEIL ES EINEN ETHERNET-ANSCHLUSS HAT.

Das könnte Milliarden sparen.

Denn der bemerkenswerteste Teil dieser Geschichte ist fast nicht einmal der Cyberangriff.

Es ist die Aussage, dass eine Anlage vier Tage ausfallen kann und der Vorfall trotzdem unter einer formalen Meldeschwelle liegt.

Das ist wundervoll britisch.

Das Kraftwerk sagt:

„Ich wurde gehackt!“

Die Bürokratie antwortet:

„Ja, aber leider nicht groß genug.“

Und irgendwo gießt jemand Tee nach.

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Tags: Cyberangriff Großbritannien Kritische Infrastruktur Five Eyes Kraftwerk NCSC GCHQ CyberAv3ngers
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