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Ronald Tramp
Macht Meinung wieder Gross!

Wetterbericht mit Gefühlschaos – Die Wetter-App kennt jetzt deine Midlife-Crisis

Grafik: Wenn Wetter Gefühle vorhersagt

Endlich ist Schluss mit langweiligen Wettervorhersagen. Temperaturen allein sagen schließlich gar nichts mehr aus. Was nützen 14 Grad, wenn gleichzeitig eine mittelschwere Lebenskrise aus Südwesten aufzieht? Die neue Wetter-App liefert deshalb das, worauf niemand gewartet hat: meteorologische Gefühle. Und ich kann euch sagen – die Depression kommt pünktlicher als die Deutsche Bahn.

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Meine fantastischen Freunde,

ich wusste, dass wir in einer merkwürdigen Zeit leben.

Aber ich hatte keine Ahnung, wie merkwürdig, bis ich morgens auf mein Smartphone schaute.

Dort stand:

"Heute in Hamm: 14 Grad. Leichter Regen. Unterschwellige Enttäuschung."

Ich dachte zunächst, das wäre mein Terminkalender.

War es aber nicht.

Es war der Wetterbericht.

Endlich.

Die Menschheit hat den Punkt erreicht, an dem selbst Wolken sagen:

"Bruder, heute läuft's nicht."

Früher war Wetter einfach.

Sonne.

Regen.

Schnee.

Fertig.

Heute reicht das offenbar nicht mehr.

Heute möchte jeder wissen, ob zusätzlich eine diffuse Sinnkrise über Nordrhein-Westfalen zieht.

Und tatsächlich.

Die neue Wetter-App liefert nicht nur Temperaturen.

Sie bewertet inzwischen auch den seelischen Zustand ganzer Regionen.

Hamburg:

17 Grad.

Wind.

Passive Aggression.

Berlin:

23 Grad.

Trocken.

Ironische Überheblichkeit mit einzelnen Hipster-Böen.

München:

26 Grad.

Föhn.

Latente Arroganz bei guter Fernsicht.

Köln:

22 Grad.

Locker bewölkt.

Karnevalistische Restverwirrung bis in die Abendstunden.

Bielefeld?

Keine Daten.

Nicht wegen eines Serverfehlers.

Die App ist sich einfach nicht sicher, ob Bielefeld emotional überhaupt existiert.

Ich war fasziniert.

Nicht einmal Meteorologen reden heute noch über Luftdruck.

Nein.

Sie analysieren kollektive Stimmungslagen.

"Ein Tiefdruckgebiet über dem Ruhrgebiet trifft auf eine Front aus verdrängten Kindheitserinnerungen."

Das klingt weniger nach Wetterbericht.

Mehr nach Gruppentherapie.

Selbst die Warnmeldungen sind inzwischen persönlicher.

"Achtung! Zwischen 16 und 19 Uhr erhöhtes Risiko spontaner Selbstzweifel."

Oder:

"Ab Mitternacht zieht eine Kaltfront aus ungeöffneten E-Mails herein."

Fantastisch.

Früher nahm man bei Regen einen Regenschirm mit.

Heute zusätzlich einen Coach.

Natürlich musste ich sofort an Donald Trump denken.

Der würde seine ganz eigene Wetter-App entwickeln.

Sie hieße vermutlich:

TrumpWeather Ultimate Premium Gold Plus Patriot Edition.

Dort gäbe es ausschließlich gutes Wetter.

Immer.

365 Tage Sonne.

Selbst nachts.

Falls es doch regnet, würde sofort eine Push-Mitteilung erscheinen:

"Fake Rain."

Falls Schnee fällt:

"Von den Medien erfunden."

Bei Tornados käme:

"Eigentlich der schönste Tornado aller Zeiten. Viele Experten sagen das."

Und wenn ein Hurrikan eine Stadt verwüstet?

"Der Wind war historisch erfolgreich."

Donald Trump würde vermutlich sogar behaupten, er habe persönlich den Luftdruck erfunden.

Zusammen mit der Sonne.

Und beide hätten ihn gewählt.

Die neue Gefühlswetter-App geht aber noch weiter.

Sie kennt deinen Standort.

Deine Kalendertermine.

Deine Schlafdauer.

Und offenbar auch deine letzte Gehaltsabrechnung.

Gestern meldete sie:

"Gefühlte Temperatur:

19 Grad.

Emotionale Temperatur:

Sie hätten damals doch Informatik studieren sollen."

Ich fühlte mich angegriffen.

Sehr präzise angegriffen.

Inzwischen besitzt die App sogar Langzeitprognosen.

"Die nächste Woche wird wechselhaft.

Dienstag etwas Hoffnung.

Mittwoch bürokratische Gewitter.

Donnerstag Rückenschmerzen.

Freitag Pizza."

Endlich realistische Vorhersagen.

Besonders beeindruckend finde ich den UV-Index.

Er wurde ersetzt.

Durch den Burnout-Index.

Stufe 1:

Noch motiviert.

Stufe 3:

Kaffee hilft.

Stufe 5:

Du antwortest auf E-Mails mit "Mit freundlichem AAAAHHHH".

Es gibt selbstverständlich auch Unwetterwarnungen.

"Orange Warnstufe:

Familienfeier mit politischer Diskussion."

"Rot:

WhatsApp-Gruppe der Eigentümergemeinschaft."

"Dunkelviolett:

Das WLAN funktioniert nicht und Windows installiert Updates."

Liebe Freunde...

DAS sind echte Katastrophen.

Nicht irgendein kleiner Nieselregen.

Sogar der Pollenflug wurde modernisiert.

Birke.

Hasel.

Gräser.

Und:

Kommentare unter Facebook-Artikeln.

Davon tränen inzwischen deutlich mehr Augen.

Natürlich nutzt inzwischen jeder diese App.

Arbeitgeber.

Versicherungen.

Dating-Portale.

Vorstellungsgespräche beginnen jetzt mit:

"Laut Wetter-App erleben Sie heute eine Phase leichter Orientierungslosigkeit."

"Ja."

"Perfekt. Willkommen im Projektmanagement."

Sogar Politiker lieben die neue Technik.

Wenn schlechte Umfragewerte kommen, heißt es künftig:

"Das war kein Stimmungsumschwung.

Das war atmosphärische Melancholie."

Brillant.

Meteorologisch nicht belegbar.

Politisch perfekt.

Mein persönliches Lieblingsfeature ist jedoch die Stundenübersicht.

08:00 Uhr

12 Grad.

Optimismus.

09:30 Uhr

Chef ruft an.

11 Grad.

Innere Kündigung.

12:00 Uhr

Kantinenfisch.

8 Grad.

Existenzielle Fragen.

15:00 Uhr

Meeting.

6 Grad.

Verzweiflung.

18:00 Uhr

Feierabend.

22 Grad.

Spontane Lebensfreude.

20:00 Uhr

Netflix.

Gemütliche Hochdrucklage.

22:30 Uhr

Montag fällt dir wieder ein.

Polarwirbel.

Ich sage euch:

Diese App wird die Welt verändern.

Demnächst bekommen wir Wetterwarnungen wie:

"Bitte verlassen Sie das Haus heute nur mit Jacke, Schirm und emotionaler Stabilität."

Oder:

"Die Sonne scheint zwar...

...aber Ihre Schwiegermutter besucht Sie."

Das nennt man dann:

Gefühlt minus zwölf.

Mein Fazit?

Früher machte das Wetter schlechte Laune.

Heute erklärt dir eine App ganz offiziell, welche schlechte Laune du bereits hast.

Und das Erstaunlichste daran ist:

Sie liegt erschreckend oft richtig.

Nur eines fehlt noch.

Ein Radar für Menschen, die bei 28 Grad behaupten:

"Eigentlich ist das gar keine richtige Wärme."

Sollte diese Funktion erscheinen...

...wissen wir endgültig:

Der Klimawandel hat nicht nur das Wetter verändert.

Sondern auch den Humor der Meteorologen.


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