Messi schießt Rekorde, ein Kommentator verwechselt Nationen und der VAR sorgt für neue Rätsel. Ronald Tramp berichtet vom totalen WM-Wahnsinn.
Von Ronald Tramp
Meine Damen und Herren,
die Fußball-Weltmeisterschaft ist erst wenige Tage alt.
Und sie hat bereits alles geliefert.
Helden.
Tragödien.
Skandale.
Verwechslungen.
Emotionen.
Und natürlich Lionel Messi.
Denn wenn irgendwo auf diesem Planeten ein Fußballspiel stattfindet, scheint Messi inzwischen vertraglich verpflichtet zu sein, die Hauptrolle zu übernehmen.
Argentinien gegen Algerien.
Eigentlich sollte es ein gewöhnliches Auftaktspiel werden.
Doch dann erschien Lionel Messi.
Zum sechsten Mal bei einer Weltmeisterschaft.
Mit 38 Jahren.
In einem Alter, in dem normale Menschen anfangen, über ergonomische Bürostühle nachzudenken.
Messi hingegen beschloss, lieber die Gesetze der Natur zu ignorieren.
Drei Tore.
Ein Dreierpack.
WM-Tore Nummer 14, 15 und 16.
Damit zieht er mit Miroslav Klose gleich.
Die Argentinier jubelten.
Die Fans sangen.
Und irgendwo saß vermutlich die Statistik-Abteilung der FIFA und musste erneut Tabellen aktualisieren.
Messi traf praktisch nach Belieben.
Von außerhalb des Strafraums.
Nach Torwartfehlern.
Nach Kombinationen.
Wenn das Spiel noch länger gedauert hätte, hätte er wahrscheinlich auch noch beim Catering getroffen.
Besonders leid tat einem allerdings Luca Zidane.
Der Mann stand im Tor Algeriens.
Und wurde behandelt wie eine freiwillige Zielscheibe.
Schon beim ersten Treffer streckte er sich.
Er flog.
Er kämpfte.
Er versuchte alles.
Doch gegen Messi ist selbst die Schwerkraft manchmal überfordert.
Auf der Tribüne saß sein Vater Zinédine Zidane.
Eine Fußball-Legende.
Ein Weltstar.
Ein Mann, der selbst ganze Generationen von Spielern verzweifeln ließ.
Doch an diesem Abend konnte auch er nur mit dem Kopf schütteln.
Wahrscheinlich dachte er:
„Jetzt weiß ich endlich, wie sich Torhüter früher gegen mich gefühlt haben.“
Während Argentinien feierte, entwickelte sich anderswo die vielleicht größte Kommentatoren-Katastrophe der WM.
Der türkische Kommentator Murat Ekrem Çimen kommentierte Iran gegen Neuseeland.
Zumindest glaubte er das.
Tatsächlich kommentierte er Neuseeland gegen Iran.
Ein kleiner Unterschied.
Nur zwei Nationen.
Zwei Mannschaften.
Zwei Flaggen.
Zwei Kontinente.
Kann passieren.
Vier Minuten lang erklärte er den Zuschauern die komplette Partie auf Basis einer alternativen Realität.
Die Spieler liefen.
Die Zuschauer schauten.
Und Millionen Menschen fragten sich vermutlich gleichzeitig:
„Moment mal … stimmt das überhaupt?“
Erst als die Kameras den iranischen Kapitän zeigten, fiel der Irrtum auf.
Vier Minuten.
Vier historische Minuten.
Die sozialen Medien explodierten.
Innerhalb weniger Stunden wurde aus einem Kommentarfehler ein internationales Ereignis.
Der Sender TRT reagierte entschlossen.
Untersuchung.
Suspendierung.
Abzug aus dem WM-Team.
Man könnte meinen, der Mann habe versehentlich die Mondlandung falsch kommentiert.
Doch damit nicht genug.
Denn jede Weltmeisterschaft braucht natürlich auch ihren VAR-Skandal.
Frankreich gegen Senegal.
Mbappé stürmt.
Mané grätscht.
Mbappé fällt.
Millionen Zuschauer schreien:
„Elfmeter!“
Der VAR prüft.
Der Schiedsrichter schaut.
Die Fans warten.
Die Experten warten.
Die Spieler warten.
Die Welt wartet.
Dann kommt die Entscheidung:
Kein Elfmeter.
Plötzlich herrschte Verwirrung.
Nicht normale Verwirrung.
WM-Verwirrung.
Die höchste Form menschlicher Verwirrung.
Thomas Müller war fassungslos.
Mats Hummels war fassungslos.
Patrick Ittrich war fassungslos.
Wahrscheinlich waren sogar einige Menschen fassungslos, die das Spiel gar nicht gesehen hatten.
Die Experten analysierten die Szene ausführlich.
Zeitlupe.
Superzeitlupe.
Ultrazeitlupe.
Hyperzeitlupe.
Irgendwann wurde vermutlich die Bewegung einzelner Atome untersucht.
Doch das Ergebnis blieb dasselbe:
Für viele war es ein klarer Elfmeter.
Für den Schiedsrichter offenbar nicht.
Damit bestätigte die WM erneut eine uralte Fußballregel:
Je mehr Kameraperspektiven vorhanden sind, desto weniger Menschen verstehen die Entscheidung.
Ein Naturgesetz.
Direkt nach Schwerkraft und Steuererklärung.
Doch am Ende blieb ein Mann über allem.
Messi.
Natürlich Messi.
Die Argentinier feierten ihren „Messias“.
Und ehrlich gesagt:
Langsam wird die Grenze zwischen Fußballer und Naturphänomen unscharf.
Denn während Kommentatoren Mannschaften verwechseln und Schiedsrichter neue Dimensionen der Regelauslegung erforschen, macht Messi einfach weiter.
Tor.
Tor.
Tor.
Man hat inzwischen das Gefühl, dass er selbst dann treffen würde, wenn man ihn versehentlich im falschen Stadion aussetzt.
Und so endet ein großer WM-Spieltag.
Mit einem Dreierpack.
Einem Kommentator, der kurzzeitig eine Parallelwelt erschuf.
Und einem VAR, der vermutlich noch immer versucht herauszufinden, was ein Foul eigentlich ist.
Meine Damen und Herren:
Die Weltmeisterschaft ist zurück.
Und die Realität hat bereits aufgegeben.

