Eine historische ESC-Abstimmung endet mit einem sensationellen Sieg Nordkoreas. Ronald Tramp untersucht die erstaunliche Disqualifikation sämtlicher Konkurrenten.
Freunde der internationalen Hochkultur, der Glitzeranzüge und der musikalischen Grenzerfahrungen,
es ist passiert.
Der Eurovision Song Contest hat einen Sieger.
Und was für einen.
Nordkorea.
Ja, genau dieses Nordkorea.
Das Land, das normalerweise eher durch Raketenstarts als durch Tanzchoreografien auffällt.
Das Land, dessen Beteiligung am Eurovision Song Contest ungefähr so wahrscheinlich erschien wie ein veganes Grillfest auf einem Vulkan.
Und dennoch hat Nordkorea gewonnen.
Mit großem Abstand.
Mit rekordverdächtigen Punkten.
Mit einer Jurybewertung, die Experten inzwischen als „mathematisch beeindruckend und physikalisch fragwürdig“ bezeichnen.
Der Grund dafür ist denkbar einfach:
Alle anderen Länder wurden versehentlich disqualifiziert.
Die historisch fairste Abstimmung aller Zeiten
Nach Angaben der offiziellen Veranstalter verlief die Abstimmung absolut fair.
Noch nie sei ein Wettbewerb transparenter gewesen.
Noch nie seien die Ergebnisse eindeutiger gewesen.
Noch nie habe ein Teilnehmer exakt 100 Prozent aller möglichen Punkte erhalten.
Und noch nie seien zufällig alle Konkurrenten innerhalb von sieben Minuten wegen Regelverstößen ausgeschlossen worden.
Ein unglaublicher Zufall.
Wirklich unglaublich.
Manche Experten sprechen bereits von einem statistischen Ereignis, das nur alle 47 Milliarden Jahre auftritt.
Die verhängnisvolle Regelprüfung
Der Abend begann zunächst ganz normal.
Deutschland trat auf.
Disqualifiziert.
Grund: Zu viel Musik.
Frankreich trat auf.
Disqualifiziert.
Grund: Zu viel Frankreich.
Spanien trat auf.
Disqualifiziert.
Grund: Übermäßige Verwendung von Rhythmus.
Italien trat auf.
Disqualifiziert.
Grund: Verdächtig gutes Essen im Backstagebereich.
Großbritannien trat auf.
Disqualifiziert.
Grund: Falscher Tee.
Schweden wurde ausgeschlossen, weil der Song zu professionell wirkte.
Norwegen wurde ausgeschlossen, weil zu viele Zuschauer gleichzeitig lächelten.
Die Schweiz wurde ausgeschlossen, weil sie neutral blieb.
Der nordkoreanische Auftritt
Dann kam Nordkorea.
Die Bühne verdunkelte sich.
Ein einzelner Scheinwerfer erschien.
Dahinter ein Chor aus exakt synchronisierten Sängerinnen und Sängern.
Jeder Ton perfekt.
Jede Bewegung identisch.
Jeder Gesichtsausdruck auf die Millisekunde abgestimmt.
Selbst die Konfettikanonen feuerten im Gleichschritt.
Ein Zuschauer beschrieb die Darbietung später als:
„Eine Mischung aus Musical, Militärparade und Betriebsausflug eines Uhrwerks.“
Die Jury gerät ins Schwitzen
Nach dem Auftritt begann die Abstimmung.
Und plötzlich wurde es merkwürdig.
Die Juroren wirkten nervös.
Sehr nervös.
Einige schwitzten sichtbar.
Andere schauten hektisch auf ihre Notizzettel.
Wieder andere schauten überhaupt nicht mehr auf die Bühne, sondern konzentrierten sich auffällig intensiv auf die Zimmerdecke.
Ich sprach später mit mehreren Experten.
Die Interviews verliefen bemerkenswert ähnlich.
„War die Abstimmung fair?“
„Ja.“
„Wirklich?“
„Ja.“
„Sind Sie sicher?“
„Absolut.“
„Warum schwitzen Sie so stark?“
„Das ist patriotische Feuchtigkeit.“
Das neue Punktesystem
Im Nachhinein wurde bekannt, dass für dieses Jahr ein neues Bewertungssystem getestet wurde.
Dabei erhielt jeder Teilnehmer Punkte in den Kategorien:
- Gesang
- Bühnenpräsenz
- Choreografie
- Kostüme
- Nationale Begeisterung
- Strategische Entschlossenheit
- Allgemeine Eindrucksstärke
Nordkorea gewann überraschenderweise alle Kategorien.
Sogar die Kategorie „Bester Beitrag aus Luxemburg“.
Obwohl Luxemburg teilnahm.
Die Pressekonferenz
Bei der Siegesfeier erklärte ein Sprecher:
„Das Ergebnis beweist die Überlegenheit vollkommen freiwilliger Zustimmung.“
Diese Aussage wurde von 12.000 begeisterten Zuschauern mit exakt identischem Applaus begrüßt.
Der Applaus dauerte 43 Minuten.
Niemand hörte früher auf.
Niemand klatschte später.
Niemand blinzelte.
Ein beeindruckendes Zeichen nationaler Einigkeit.
Internationale Reaktionen
Europa reagierte schockiert.
Mehrere Delegationen legten Protest ein.
Diese Proteste wurden jedoch abgewiesen.
Grund:
„Zu viel Protest.“
Einige Länder verlangten eine Neuauszählung.
Diese wurde durchgeführt.
Das Ergebnis blieb unverändert.
Nordkorea erhielt sogar noch mehr Punkte.
Niemand konnte erklären warum.
Die Computer ebenfalls nicht.
Ronald Tramps exklusive Ermittlungen
Natürlich ließ mir die Sache keine Ruhe.
Ich analysierte die Daten.
Ich sprach mit Technikern.
Ich befragte Juroren.
Ich untersuchte Mikrofone, Abstimmungsserver und sogar die Snackbar hinter der Bühne.
Mein Ergebnis:
Entweder handelte es sich um die fairste Abstimmung in der Geschichte der Menschheit.
Oder um die fairste Abstimmung in der Geschichte der Menschheit mit einem sehr kreativen Verständnis von Fairness.
Beides ist derzeit möglich.
Die Zukunft des ESC
Gerüchten zufolge plant Nordkorea bereits die Austragung des nächsten Wettbewerbs.
Die Regeln sollen vereinfacht werden.
Teilnehmen dürfen:
- Nordkorea
- Nordkorea B
- Nordkorea Junior
- Nordkorea Remix Edition
- Nordkorea feat. Nordkorea
Experten rechnen mit einem spannenden Wettbewerb.
Der Favorit steht allerdings bereits fest.
Der Eurovision Song Contest hat viele Überraschungen erlebt.
Monster.
Glitzer.
Fliegende Klaviere.
Singende Piraten.
Opernsänger im Discokostüm.
Aber nichts kommt an das Jahr heran, in dem plötzlich alle Länder disqualifiziert wurden und ein einziger Teilnehmer übrig blieb.
Das ist Effizienz.
Das ist Entschlossenheit.
Das ist die Art von Wettbewerb, bei der selbst die Ergebnisliste schon vor Beginn entspannt wirken kann.
Und während Experten weiterhin nervös schwitzend erklären, wie vollkommen normal alles gewesen sei, bleibt uns nur eine Erkenntnis:
Wenn künftig ein Wettbewerb mit nur einem verbliebenen Teilnehmer endet, sollte man vielleicht zumindest kurz prüfen, wer die Regeln geschrieben hat.
Oder warum die Jury plötzlich Handtücher benötigt.

