Deutschlands Gasspeicher bekommen Reichweitenangst. Ronald Tramp fordert eine Tankanzeige über dem Reichstag – inklusive Pulloverwarnung und strategischem Kuschelplan.
Von Ronald Tramp, Energieexperte mit Tankanzeige und drei Paar Wollsocken
Meine lieben Deutschen, Gasverbraucher und Menschen, die beim Auto schon bei 180 Kilometern Restreichweite nervös nach einer Tankstelle suchen!
Deutschland hat ein neues nationales Hobby:
auf eine Prozentzahl starren.
Früher waren es Umfragewerte. Dann Inflation. Dann der Akkustand des Handys.
Jetzt:
GASSPEICHER!
Die Bundesregierung beschäftigt sich mit niedrigen Füllständen, und ich, Ronald Tramp, sage: Das Land erlebt erstmals Reichweitenangst für eine komplette Volkswirtschaft.
Das kennen wir vom Elektroauto.
„Schatz, wir haben noch 23 Prozent!“
„Schaffen wir es bis Hannover?“
Nur dass jetzt niemand nach Hannover muss.
Wir müssen bis April.
Und Deutschland steht gedanklich an einer Autobahnraststätte, schaut auf die Anzeige und fragt:
„Gibt es hinter Kassel noch Gas?“
Die Tankanzeige über dem Reichstag
Ich fordere deshalb maximale Transparenz.
Auf die Reichstagskuppel gehört eine gigantische digitale Tankanzeige.
100 %: Alles fantastisch. Fenster auf! Heizung an! Im Badezimmer 27 Grad! Deutschland lebt!
50 %: Wirtschaftsminister tritt vorsorglich vor die Presse.
30 %: Erste Talkshow mit dem Titel „Frieren wir bald alle?“.
20 %: Über dem Reichstag leuchtet eine riesige gelbe Zapfsäule.
Und bei 10 Prozent erscheint auf allen Smartphones eine amtliche Warnmeldung:
„Bitte zweiten Pullover anziehen. Strategisches Kuscheln einleiten.“
Das wäre endlich eine Energiepolitik, die jeder versteht.
Keine Terawattstunden. Keine komplizierten Speicherkennzahlen.
Einfach:
„Noch 14 Prozent. Heizung aus. Oma herholen.“
Strategisches Kuscheln wird Teil der Wärmewende
Natürlich muss Deutschland vorbereitet sein.
Deshalb schlage ich die Nationale Kuschelreserve vor.
Paare erhalten einen staatlich geprüften Kuschelplan. Singles bekommen Wärmflaschen. Besonders effiziente Großfamilien können künftig als dezentrale biologische Nahwärmenetze zertifiziert werden.
Das Wirtschaftsministerium veröffentlicht dazu eine Broschüre:
„Gemeinsam warm – Körperkontakt als Brückentechnologie.“
Förderfähig nach KfW-Programm 4711.
Antrag: 38 Seiten.
Bearbeitungszeit: bis zum Sommer.
Perfekt!
Deutschland fährt auf Reserve
Am schönsten stelle ich mir die täglichen Nachrichten vor:
„Guten Abend. Die deutschen Gasspeicher liegen heute bei 17,4 Prozent.“
Sofort schaut ganz Deutschland erschrocken auf die Heizung.
Ein Mann in Wuppertal dreht von Stufe 3 auf 2.
Eine Familie in München schließt vorsichtshalber die Wohnzimmertür.
Und irgendwo erklärt ein Energieexperte vor einer Grafik mit 19 Linien:
„Das bedeutet zunächst einmal gar nichts.“
DAS IST DER GEFÄHRLICHSTE SATZ DEUTSCHLANDS!
Denn fünf Minuten später folgt meistens:
„Allerdings …“
Und nach dem „allerdings“ braucht man plötzlich Flüssiggas, drei Nachbarländer, günstiges Wetter und einen außergewöhnlich warmen Februar.
Ich sage deshalb:
Deutschland braucht keine Panik.
Deutschland braucht German Gas Anxiety Management.
Eine App wäre ideal.
Sie zeigt morgens:
Gasreichweite: noch 47 Tage.
Darunter drei Modi:
ECO: Pullover.
SPORT: Heizung auf 3.
GERMAN EXTREME: Stoßlüften bei laufender Heizung.
Und wenn der Speicher kritisch wird, sagt die App:
„Bitte wenden Sie. Die nächste verfügbare Gaslieferung befindet sich in 4.700 Kilometern.“
Meine lieben Deutschen: Früher hatte nur der Autofahrer Reichweitenangst.
Heute hat sie die Bundesrepublik.
Und falls die Anzeige wirklich auf zehn Prozent fällt:
Nicht nervös werden.
Pullover an.
Nachbarn kennenlernen.
Und strategisch kuscheln.
Believe me.

