Trump macht aus Lake Ontario kurzerhand „Lake America“. Ronald Tramp fragt sich, wann Atlantik, Niagara-Fälle und der kanadische Gartenteich amerikanisiert werden.
Von Ronald Tramp, Sonderkorrespondent für Geografie, Größenwahn und internationale Pfützen
Meine lieben Amerikaner, Kanadier und Menschen, die bisher naiverweise glaubten, ein See könne einfach nur ein See sein!
FALSCH!
Donald Trump hat wieder zugeschlagen.
Diesmal nicht mit einem Zoll auf Stahl, Käse oder kanadische Ahornsirupwaffeln.
Nein.
Der Mann hat einen SEE umbenannt.
Lake Ontario heißt für die US-Bundesregierung künftig LAKE AMERICA. Ein Federstrich im Oval Office – und 18.960 Quadratkilometer Wasser bekommen ein Rebranding. (The White House)
Ich, Ronald Tramp, sage:
THIS IS WATER POLICY! VERY WET! VERY POWERFUL!
Amerika besitzt offenbar die tiefere Hälfte
Natürlich gibt es Argumente.
Großartige Argumente.
Die US-Regierung erklärt sinngemäß: Die tiefsten Teile liegen auf amerikanischer Seite und die USA beanspruchen den größeren Anteil des Wasservolumens. Außerdem verweist der Erlass auf amerikanische Investitionen in den Schutz der Great Lakes und neun von elf dort eingesetzte Eisbrecher der US Coast Guard. (The White House)
Das ist faszinierende Geopolitik.
Nach dieser Logik gehört beim gemeinsamen Suppentopf künftig demjenigen die Suppe, der den tieferen Löffel besitzt.
Kanada darf natürlich weiterhin am See sitzen.
Es sollte nur vermutlich nicht zu selbstbewusst aufs Wasser schauen.
„Entschuldigung, Sir. Sie betrachten gerade amerikanisches Volumen.“
Die große geografische Rabattaktion
Ich sehe bereits die Zukunft.
Lake Michigan?
Zu kompliziert.
Lake Very American.
Lake Erie?
Klingt verdächtig französisch.
Lake Freedom Deluxe.
Niagara Falls?
Grenzüberschreitend!
Unhaltbar!
Künftig:
TRUMP WATER DESCENDING VERY STRONGLY.
Und weil Trump nach der Unterzeichnung bereits scherzte, Amerika brauche jetzt eigentlich nur noch einen Ozean, sollte der Atlantik vorsichtshalber schon einmal seine Dokumente zusammensuchen. (People.com)
Atlantic Ocean?
AMERICAN OCEAN EAST.
Pacific Ocean?
AMERICAN OCEAN, EVEN BIGGER.
Kanada?
Schwierig.
Vielleicht:
North North America – temporarily Canadian.
Kanada macht einfach nicht mit
Hier liegt allerdings ein winziges Problem.
Trump kann den Namen für US-Bundesbehörden ändern.
Er kann Kanada aber nicht zwingen, ebenfalls „Lake America“ zu sagen. Auch internationale Organisationen müssen die Bezeichnung nicht übernehmen. (Reuters)
Das bedeutet:
Ein und derselbe See könnte künftig an der Grenze zwei Namen haben.
Amerikanischer Grenzbeamter:
„Welcome to Lake America.“
Kanadier:
„Ontario.“
„AMERICA!“
„Ontario.“
„AMERICA!!!“
„Wir stehen hier seit 400 Jahren.“
Das wird die diplomatischen Beziehungen enorm verbessern.
Wer räumt das irgendwann alles auf?
Und jetzt kommen wir zur wirklich spannenden Frage:
Wer soll diese ganze Namensparty irgendwann rückgängig machen?
Stellen wir uns einen zukünftigen US-Präsidenten vor.
Erster Arbeitstag.
Auf dem Schreibtisch liegen 14.000 Akten.
„Was ist das?“
„Umbenennungen.“
„Und das?“
„Weitere Umbenennungen.“
„Warum heißt der Golf von Mexiko anders?“
„Lange Geschichte.“
„Warum heißt Lake Ontario Lake America?“
„Noch längere Geschichte.“
„Warum heißt der Atlantik Freedom Puddle Number One?“
„Sir, bitte setzen Sie sich.“
Der arme Mensch braucht keine ersten 100 Tage.
Er braucht einen Praktikanten mit Google Maps und drei Jahre Zeit.
Ich empfehle deshalb bereits heute die Gründung einer neuen Bundesbehörde:
Department of Putting Names Back Where They Were
20.000 Mitarbeiter.
Jahresbudget: zwölf Milliarden Dollar.
Aufgabe:
Karten öffnen.
Kopf schütteln.
Strg+Z drücken.
Denn eines hat Donald Trump endgültig bewiesen:
Andere Präsidenten hinterlassen Gesetze.
Andere Präsidenten hinterlassen Bibliotheken.
Dieser Präsident hinterlässt möglicherweise eine Weltkarte, auf der irgendwann überall dasselbe steht:
AMERICA.
Und irgendwo oben sitzt Kanada mit einem Ahornsirup und sagt:
„Wir nennen ihn trotzdem Ontario.“
Believe me.

