Liebe Leute, ich habe schon Politiker erlebt, die Brücken bauen wollten. Andere wollten Gräben zuschütten. Aber Donald Trump? Der will gleich die ganze Hauptstadt umbauen. Wenn irgendwo noch ein Quadratmeter frei ist, steht vermutlich bereits ein Baukran daneben. Washington entwickelt sich langsam vom Regierungssitz zur größten Dauerbaustelle seit der Erfindung des Presslufthammers.
Ich musste zweimal hinsauen.
Nicht auf die Zahlen.
Auf die Bilder.
Überall Kräne.
Überall Beton.
Überall Bauzäune.
Wenn man Washington derzeit aus dem Flugzeug betrachtet, könnte man glauben, jemand habe SimCity auf den Schwierigkeitsgrad "Größenwahn" gestellt.
Und wer sitzt am Steuer?
Natürlich Donald Trump.
Der Mann denkt offenbar nicht in Legislaturperioden.
Er denkt in Fundamenten.
Während andere Präsidenten Gesetze unterschreiben, unterschreibt Trump wahrscheinlich Lieferscheine für Zement.
"Mehr Beton!"
"Mehr Marmor!"
"Mehr Gold!"
"Und macht den Eingang größer. Viel größer. Riesig!"
Ich liebe diesen Baustellen-Enthusiasmus.
Man weiß morgens nie, ob gerade ein Regierungsgebäude renoviert oder versehentlich ein neues Weltwunder begonnen wird.
Der Ballsaal der Superlative
Besonders beeindruckt hat mich der geplante Ballsaal.
Vierhundert Millionen Dollar.
Nur der Ballsaal.
Liebe Leute…
Für dieses Geld veranstaltet man normalerweise nicht einen Tanzabend.
Man gründet gleich eine eigene Republik.
Ich stelle mir vor, wie das Planungsgespräch lief.
"Wie groß soll der Saal werden?"
"Ja."
"So viele Gäste?"
"Alle."
"Und die Decke?"
"Höher."
"Wie hoch?"
"Ja."
Das nenne ich Vision.
Andere bauen einen Festsaal.
Trump baut vermutlich einen Ballsaal, in dem sogar Wolken eine Genehmigung zum Durchziehen brauchen.
Darunter gleich der Bunker
Unter dem Ballsaal entsteht ein Hochsicherheitsbunker.
Praktisch.
Falls die Tanzfläche einstürzt, fällt man direkt in den Sicherheitsbereich.
Effizient.
Ich frage mich allerdings, ob dort ebenfalls Kronleuchter hängen.
Man weiß ja nie.
Selbst Notausgänge könnten dort vermutlich vergoldete Türklinken besitzen.
Der Pool mit Farbproblemen
Besonders gefällt mir die Geschichte mit dem berühmten Wasserbecken.
Anfangs sollte es patriotisch glänzen.
Blau.
Strahlend.
Perfekt.
Dann kamen die Algen.
Jetzt leuchtet alles in einem satten Grün.
Manche nennen das Natur.
Andere nennen es "ungeplante Designanpassung".
Vielleicht wird daraus einfach eine neue Touristenattraktion.
"Der patriotische Sumpf."
Mit Eintritt.
Natürlich.
Gold geht immer
Was wäre ein Monument ohne Blattgold?
Genau.
Ein normales Monument.
Also werden Statuen vergoldet.
Nicht ein bisschen.
Richtig.
Wenn die Sonne darauf scheint, brauchen Satelliten vermutlich Sonnenbrillen.
Ich bin überzeugt:
Sollte irgendwann ein Eichhörnchen über diese Figuren laufen, meldet die Börse sofort steigende Edelmetallpreise.
Der Triumphbogen
Mein persönliches Lieblingsprojekt.
Ein Triumphbogen.
Höher als das berühmte Vorbild in Paris.
Warum?
Weil höher eben höher ist.
Das scheint ungefähr die gesamte Planungsphilosophie zu sein.
Größer.
Breiter.
Heller.
Goldener.
Wenn schon Monument, dann bitte so, dass ihn selbst Astronauten als Navigationshilfe benutzen können.
Der Heldenpark
250 lebensgroße Statuen.
Eine großartige Idee.
Endlich ein Park, in dem Tauben genügend Auswahl haben.
Ich freue mich jetzt schon auf die Führungen.
"Links sehen Sie Präsident Nummer 17."
"Rechts Präsident Nummer 21."
"Dort hinten steht jemand, den niemand erkennt, aber die Statue war bereits bestellt."
Das Kennedy Center
Auch Kultur bekommt ihr Stück vom Baukuchen.
Renovierungen.
Neue Ideen.
Neue Fassaden.
Zwischendurch tauchte sogar Trumps Name auf.
Kurz darauf verschwand er wieder.
Das war vermutlich die kürzeste Umbauphase der amerikanischen Kulturgeschichte.
Ronald Tramps Baustellenanalyse
Ich glaube inzwischen, Donald Trump besitzt einen sechsten Sinn.
Andere Menschen sehen eine freie Fläche.
Trump sieht einen Bauantrag.
Andere sehen einen Platz.
Trump sieht einen Brunnen.
Andere sehen einen Brunnen.
Trump sieht acht Brunnen.
Andere sehen eine Statue.
Trump fragt:
"Warum glänzt sie nicht?"
Die große Finanzzauberei
Besonders faszinierend finde ich den Satz:
"Private Investoren übernehmen die Kosten."
Das klingt immer hervorragend.
Fast so beruhigend wie:
"Das dauert nur fünf Minuten."
Oder:
"Dieses Update verursacht garantiert keine Probleme."
Am Ende stellt sich häufig heraus, dass irgendwo doch noch Rechnungen auftauchen.
Und Rechnungen haben eine erstaunliche Eigenschaft:
Sie suchen sich irgendwann jemanden, der sie bezahlt.
Ronald Tramps Schlusswort
Donald Trump baut nicht einfach Gebäude.
Er baut Schlagzeilen.
Washington entwickelt sich Schritt für Schritt zur Hauptstadt der Superlative.
Mehr Kräne.
Mehr Marmor.
Mehr Gold.
Mehr Monumente.
Mehr Brunnen.
Mehr Ballsaal.
Ob am Ende alles so entsteht wie geplant, wird die Zukunft zeigen.
Fest steht jedoch schon heute:
Sollte jemals ein Weltrekord für die größte politische Baustelle vergeben werden, dürfte Washington hervorragende Chancen besitzen.
Und falls irgendwann tatsächlich jeder freie Platz bebaut sein sollte, wird Donald Trump vermutlich einfach damit beginnen, die Baukräne selbst unter Denkmalschutz zu stellen.
Denn eines ist sicher:
Wo andere einen Stadtplan sehen, sieht Donald Trump immer noch Platz für ein weiteres Monument.
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