Donald Trump lädt Rennfahrer zum Boxenstopp vor das Weiße Haus ein und verwandelt Washington in eine Formel für maximalen Patriotismus. Ronald Tramp berichtet exklusiv vom wohl lautesten Regierungsviertel der Welt – inklusive Burnouts, Boxenfunk und politischem Reifendruck.
Freunde, ich habe ja wirklich schon alles erlebt.
Präsidenten, die Golf spielen.
Präsidenten, die Truth Social für eine außenpolitische Plattform halten.
Präsidenten, die Wasserbecken in Nationalfarben streichen.
Aber Donald Trump…
…Donald hat jetzt beschlossen, dass das Weiße Haus offenbar nicht mehr genügt.
Es braucht…
eine Boxengasse.
Jawohl.
Mitten im Regierungsviertel.
Zwischen Denkmälern, Sicherheitszäunen und Politikern sollen künftig Rennwagen mit 300 Stundenkilometern vorbeifliegen.
Ich musste zunächst prüfen, ob ich versehentlich einen Trailer für „Fast & Furious: Capitol Drift“ gesehen hatte.
Die Idee ist großartig.
Oder verrückt.
Oder beides gleichzeitig.
Donald Trump eröffnet höchstpersönlich die heiße Phase des neuen Freedom 250 Grand Prix.
Schon der Name klingt, als hätte ihn ein Marketing-Team entwickelt, das ausschließlich amerikanische Flaggen frühstückt.
Freedom!
250!
Grand Prix!
Es fehlen eigentlich nur noch Feuerwerk, ein Weißkopfseeadler und eine Nationalhymne im Heavy-Metal-Remix.
Ich sehe die erste Rennbesprechung bereits vor mir.
Teamchef:
„Kurve eins wird schwierig.“
Fahrer:
„Und was ist mit dem Secret Service?“
„Der steht auf Start-Ziel.“
„Und wenn ich mich verbremse?“
„Dann landest du vermutlich im Pressebriefing.“
Donald Trump strahlt selbstverständlich.
„Nobody has better race tracks than me.
The fastest democracy.
Beautiful asphalt.
Everybody loves my pit lane.“
Besonders faszinierend finde ich allerdings den Austragungsort.
Andere Städte veranstalten Autorennen auf Stadtkursen.
Washington veranstaltet sie zwischen Regierung, Geschichte und Staatsmacht.
Das ist ungefähr so, als würde man Schach auf einer Hüpfburg spielen.
Natürlich entsteht sofort eine völlig neue Form der Diplomatie.
Staatsgäste fahren vor.
Steigen aus ihrer Limousine.
Plötzlich rauscht ein IndyCar mit 320 km/h vorbei.
Der Dolmetscher muss kurz warten.
Ich stelle mir den Alltag im Weißen Haus vor.
Pressesprecher:
„Heute um zehn Uhr Pressekonferenz.“
„Geht nicht.“
„Warum?“
„Reifenwechsel.“
Oder das morgendliche Lagebriefing.
„Herr Präsident, wir haben außenpolitische Entwicklungen.“
„Moment.
Ich höre den Motor nicht.“
Donald Trump wäre begeistert.
Denn endlich gibt es eine Regierung, die wirklich mit Vollgas arbeitet.
Zumindest akustisch.
Besonders schön stelle ich mir den Boxenfunk vor.
„Fahrer an Team.“
„Ja?“
„Vor mir fährt gerade der Präsident.“
„Nicht überholen.“
„Warum?“
„Diplomatische Gründe.“
Mein persönliches Highlight bleibt allerdings die Boxengasse.
Mitten im Regierungsviertel.
Normalerweise wechseln dort Minister ihre Positionen.
Jetzt werden Reifen gewechselt.
Der Unterschied ist erstaunlich gering.
Beides dauert ungefähr gleich lange.
Ich sehe bereits die Touristen.
„Wo ist das Lincoln Memorial?“
„Gerade hinter dem Safety Car.“
„Und das Weiße Haus?“
„Links neben dem Reifenstapel.“
Donald Trump würde daraus selbstverständlich sofort eine neue Tradition machen.
Jede Kabinettssitzung beginnt künftig mit einer Einführungsrunde.
Nicht um den Tisch.
Sondern um die National Mall.
Wer die schnellste Runde fährt, darf zuerst sprechen.
Natürlich gibt es auch den patriotischen Boxenstopp.
Mechaniker tragen Anzüge in Rot, Weiß und Blau.
Der Reifenwechsel dauert exakt so lange wie eine durchschnittliche Pressekonferenz.
Also ungefähr sieben Sekunden für den eigentlichen Vorgang…
…und vierzig Minuten für die Selbstbeweihräucherung.
Ich frage mich inzwischen ernsthaft, ob das Weiße Haus künftig neue Verkehrsschilder bekommt.
„Achtung!
Überholverbot für Staatsoberhäupter.“
Oder:
„Vorsicht!
Politiker kreuzen die Fahrbahn.“
Besonders spannend wird es bei offiziellen Empfängen.
Der Präsident begrüßt einen Gast.
Genau in diesem Moment schießt ein Rennwagen vorbei.
Das Staatsorchester versucht tapfer weiterzuspielen.
Der Dirigent verliert den Takt.
Der Sicherheitsdienst verliert den Überblick.
Und Ronald Tramp verliert endgültig den Glauben daran, dass Politik irgendwann einmal langweilig werden könnte.
Donald Trump wird das Ganze selbstverständlich als größten Erfolg der amerikanischen Geschichte verkaufen.
„Nobody combines racing and democracy better than me.“
„The Constitution was practically written for motorsports.“
„George Washington would have loved turbochargers.“
Natürlich steckt hinter solchen Veranstaltungen auch der Wunsch, Aufmerksamkeit zu erzeugen und Großereignisse zu vermarkten. Sport kann Menschen begeistern und eine Stadt international in Szene setzen. Gleichzeitig zeigt die Vorstellung eines Hochgeschwindigkeitsrennens mitten im politischen Zentrum, wie spektakulär moderne Inszenierungen inzwischen geworden sind.
Ich sehe bereits die Zukunft.
Das Oval Office wird in Oval Circuit umbenannt.
Der Präsident unterschreibt Gesetze nicht mehr am Schreibtisch…
…sondern während eines Reifenwechsels.
Journalisten stellen ihre Fragen nur noch im Boxenfunk.
Und der Secret Service erhält künftig Rennanzüge mit Helmen und Funkgerät.
Mein persönliches Fazit?
Donald Trump besitzt eine erstaunliche Fähigkeit.
Andere Präsidenten veranstalten Staatsbankette.
Donald veranstaltet Boxenstopps.
Andere eröffnen Konferenzen.
Donald eröffnet Rennstrecken.
Und wenn das so weitergeht, findet der nächste G7-Gipfel vermutlich auf einem Monstertruck-Parcours statt.
Ich bin Ronald Tramp.
Und ich verabschiede mich jetzt.
Nicht ohne vorher meinen Einkaufswagen mit einem Heckspoiler auszustatten.
Man weiß schließlich nie, wann der nächste Wocheneinkauf plötzlich als offizieller Grand Prix gewertet wird.

