Die USA träumen vom WM-Titel, Zlatan verteilt Prophezeiungen, im DFB-Camp lauert eine Schlange und Felix Zwayer braucht medizinische Hilfe auf dem Platz.
Liebe Freunde,
die Fußball-Weltmeisterschaft hat offiziell die Phase erreicht, in der niemand mehr genau weiß, was eigentlich passiert.
Die USA gewinnen Spiele.
Zlatan Ibrahimović verteilt Weltmeistertitel wie Werbegeschenke auf einer Automesse.
Christian Pulisic wird zur wichtigsten Wade Nordamerikas.
Im deutschen Teamcamp wird über giftige Schlangen diskutiert.
Und ein Schiedsrichter muss während eines Spiels von den Spielern wieder zusammengefaltet werden wie ein Campingstuhl.
Kurz gesagt:
Der Fußball hat endgültig beschlossen, jede Form von Realität hinter sich zu lassen.
Beginnen wir mit den Vereinigten Staaten.
Tagelang sprach das gesamte Land über Christian Pulisic.
Nicht über Politik.
Nicht über die Wirtschaft.
Nicht über Hollywood.
Nein.
Über eine Wade.
Eine einzige Wade.
Fox News, Sportkanäle und vermutlich sogar Wettermoderatoren berichteten rund um die Uhr über den Zustand des berühmtesten Muskels Amerikas.
Experten analysierten Dehnübungen.
Ehemalige Spieler bewerteten MRT-Bilder.
Irgendwo entstand wahrscheinlich sogar ein Podcast mit dem Titel:
„Wade Weekly – Die Lage der Nation.“
Dann kam das Spiel.
Und Pulisic spielte gar nicht.
Die USA gewannen trotzdem.
Plötzlich stellte das Land fest:
Vielleicht besteht die Mannschaft aus mehr als einer Wade.
Ein revolutionärer Gedanke.
Doch dann betrat Zlatan Ibrahimović die Bühne.
Und wenn Zlatan eine Bühne betritt, geschieht immer etwas Spektakuläres.
Der Mann hält sich seit ungefähr 25 Jahren für die größte Erscheinung der Menschheitsgeschichte.
Bescheidenheit betrachtet er vermutlich als eine seltene Krankheit.
Gefragt, ob die USA Weltmeister werden können, antwortete Zlatan schlicht:
„Ja.“
Nur ein Wort.
Aber dieses Wort hatte die Wirkung eines atomaren Euphorie-Sprengsatzes.
In diesem Moment explodierten vermutlich gleichzeitig mehrere amerikanische Fernsehsender.
Fanforen gerieten außer Kontrolle.
Irgendwo begann jemand bereits mit dem Druck von Weltmeister-T-Shirts.
Für Amerikaner ist Zlatan schließlich eine Art Fußball-Orakel.
Wenn Zlatan sagt, dass die USA Weltmeister werden, dann klingt das ungefähr so, als würde Zeus persönlich den Wetterbericht vorlesen.
Auch Chris Richards sprang sofort auf den Euphoriezug auf.
Über den WM-Titel zu sprechen sei „überhaupt nicht lächerlich“.
Natürlich nicht.
Die USA haben zwei Gruppenspiele gewonnen.
Warum also nicht direkt den Pokal bestellen?
Das ist die amerikanische Mentalität.
Man gewinnt zwei Spiele.
Und fünf Minuten später diskutiert man bereits über die Verfilmung.
Währenddessen herrscht im deutschen Teamcamp eine völlig andere Stimmung.
Dort beschäftigt man sich mit einer tödlichen Bedrohung.
Nein.
Nicht mit Frankreich.
Nicht mit Argentinien.
Nicht mit Brasilien.
Mit einer Schlange.
Joshua Kimmich berichtete von einem gefährlichen Reptil in der Nähe des Teamquartiers.
Und plötzlich verwandelte sich die WM in eine Naturdokumentation.
Julian Nagelsmann wurde gefragt.
Und wie jeder große Trainer antwortete er völlig seriös:
„Da ist eine große Anakonda.“
Panik.
Verwirrung.
Internationale Schlagzeilen.
Vermutlich begannen bereits erste Reporter damit, Fluchtwege zu planen.
Dann musste die DFB-Pressesprecherin eingreifen.
„Das war ein Witz.“
Freunde, wenn eine Pressekonferenz einen eigenen Faktencheck benötigt, dann weiß man, dass alles perfekt läuft.
Kimmich selbst zeigte Respekt vor der lokalen Tierwelt.
Verständlich.
In Deutschland besteht die größte Gefahr im Wald normalerweise darin, auf einen Lego-Stein zu treten oder von einer besonders aggressiven Gans verfolgt zu werden.
In Nordamerika sieht das etwas anders aus.
Dort können Dinge Zähne haben.
Und Gift.
Und schlechte Laune.
Doch die wahre Heldengeschichte des Tages schrieb jemand völlig anderes.
Felix Zwayer.
Der deutsche Schiedsrichter absolvierte ein starkes Spiel.
Sieben Gelbe Karten.
Viele harte Entscheidungen.
Volle Konzentration.
Dann schlug die Natur zurück.
Kurz vor Schluss bekam Zwayer Krämpfe.
Mitten auf dem Platz.
Der Schiedsrichter saß plötzlich am Boden.
Und was geschah dann?
Die Spieler halfen ihm.
Ein amerikanischer Nationalspieler dehnte sein Bein.
Ein Australier half ebenfalls.
Die Vierte Offizielle sprintete mit Getränken über das Feld.
Freunde, plötzlich sah das WM-Spiel aus wie eine Mischung aus Fußball, Physiotherapie und Rettungsübung.
Man hätte nur noch einen Grill und einen Klappstuhl gebraucht, dann wäre die Szene perfekt gewesen.
Die Zuschauer applaudierten.
Zwayer stand wieder auf.
Dehnte sich.
Lief weiter.
Und pfiff das Spiel ab.
Das war kein gewöhnlicher Schiedsrichter.
Das war Rocky Balboa mit Pfeife.
Währenddessen träumen die USA vom Titel.
Deutschland diskutiert über Schlangen.
Zlatan verteilt Prophezeiungen.
Und Schiedsrichter werden von Spielern medizinisch versorgt.
Manchmal frage ich mich, ob wir wirklich eine Fußball-WM schauen.
Oder ob jemand versehentlich sämtliche Drehbücher einer Netflix-Komödie, einer Tierdokumentation und eines Sportfilms in denselben Mixer geworfen hat.
Doch genau deshalb lieben wir dieses Turnier.
Denn wo sonst könnte eine giftige Schlange weniger Aufmerksamkeit bekommen als die Wade eines Fußballers?
Wo sonst könnte ein Schiedsrichter von den Spielern behandelt werden?
Und wo sonst könnte Zlatan Ibrahimović einfach beschließen, wer Weltmeister wird?
Ich bin Ronald Tramp.
Und ich sage euch:
Wenn die USA tatsächlich Weltmeister werden, die Anakonda einen Expertenvertrag erhält und Felix Zwayer das Finale pfeift, dann wird diese WM nicht in die Geschichtsbücher eingehen.
Sie wird eine eigene Netflix-Serie bekommen.

